So wird das nix, CHL!

So wird das nix, CHL!

Eine Woche ist es her, da fieberten wir dem letzten Spiel der Gruppenphase entgegen. Gegner in der heimischen Arena war Esbjerg. Nach einem deutlichen Sieg in Dänemark standen die Chancen sehr gut die Gruppe D als Spitzenreiter zu beenden. Seitdem ist vieles passiert, was die vorhandene Euphorie nach dem erstmaligen Achtelfinaleinzug nahm und mich heute mit anderen Augen auf den Wettbewerb blicken lässt.

Seit Einführung der European Trophy nahm das europäische Clubeishockey eine sehr positive Entwicklung. War die European Trophy anfangs ein reines Vorbereitungsturnier, welches eine gern gesehene Abwechslung zum Ligaalltag darstellte, wurde die Professionalisierung durch die Gründung der CHL weiter vorangetrieben. Spätestens seit Beginn der Saison 2017/2018 ist der Wettbewerb in meinen Augen endgültig ernst zu nehmen. Das Teilnehmerfeld wurde reduziert, nur noch sportliche Qualifikationen sind möglich. Eine Aufwertung, die ich sehr begrüßte. Vorbei die Zeiten, in denen sich sportlich mittelmäßige Clubs durch das nötige Kleingeld zur europäischen Elite zählen dürfen. Nur wer in der Liga auf dem Eise Leistung zeigt, der ist dabei, im Kreise der Besten. Entsprechend motiviert verfolgte ich die Spiele der CHL Gruppenphase. Nach 3 gelungenen Auswärtsspielen und 2 Heimsiegen war klar: der Gruppensieg ist zum greifen nahe. Wie es der Zufall will war der Gruppensieg in diesem Jahr von doppelter Bedeutung. Zum einen darf der Hauptrunden Primus das Rückspiel zu Hause austragen. Ein klarer Vorteil! Zu anderen war bereits früh bekannt, dass das Hinspiel am 31.10. stattfinden wird. Ein Feiertag vor dem Feiertag. Selbst bei einem Gegner, der nur mit dem Flugzeug erreichbar ist, war damit klar, dass einer weiteren Reise durch Europa nichts im Wege steht.
Esbjerg wurde, wie erwartet, besiegt, ausgelassen feierte man die Verteidigung des ersten Tabellenplatzes. Sieben mögliche Gegner warteten auf uns, fünf sogar problemlos mit dem Bus erreichbar. Brünn als weiteste Entfernung dieser fünf kaum weiter als Berlin. Man begann zu Träumen, eine Adler Invasion nach Österreich, Tschechien oder in die Schweiz – schönes Gedankenspiel.

Die Meldung der Adler vom 10.10. nahm ich zur Kenntnis, viel neues brachte sie aber nicht. Es wurde das bereits Bekannte bestätigt, auswärts zunächst am 31.10., daheim am 07.11.!
Einen Tag vor der Auslosung erste Verwunderung. Laut CHL Homepage ist auch der 01.11. ein Spieltag. Was solls, auch der 01.11. ein Feiertag, passt. Gespannt setzte ich mich also freitags um 12 Uhr vor den PC, die Arbeit musste für 20 Minuten Arbeit sein, die Auslosung stand an. Gegner nach Gegner ging weg, endlich wurde Mannheim gezogen. Danach Gävle. Joa, hätte besser laufen können, wieder Schweden. Flugzeug, teuer, nix wirds mit der Invasion. Der bereits angefragte Bus abgesagt – aber gut, eine Auslosung ist kein Wunschkonzert, genommen wird, was man bekommt! Das Handy stand nicht mehr still, innerhalb einer halben Stunde hatte man bereits knapp 30 Leute zusammen, die nach Flügen schauten. Am besten wohl über Stockholm, ab Düsseldorf gibts den Spaß bereits ab 160 EUR. Machbar.
2 Stunden nach der Auslosung erste Verwunderung. Man bekam mit, dass an der Tickethotline der Adler plötzlich darauf hingewiesen wird, dass noch nicht klar ist, ob das Heimspiel am 07.11. statt findet. Hinter den Kulissen hörte man, dass die Arena in Gävle wohl am 30.10. sowie 31.10. belegt sei. Klang noch nicht dramatisch, dann eben am 01.11., ist ja auch ein offizieller Spieltag.
Kurze Zeit später jedoch die Meldung der Adler: “Da die Arena in Brynäs am 31.Oktober und 01. November nicht verfügbar ist, müssen Hin- und Rückspiel getauscht werden.”

Gruppensieger. Heimvorteil. Auswärts am Feiertag. Auf einen Schlag alles wertlos. Der Gruppenzweite plötzlich sportlich im Vorteil. Was bleibt ist fehlende Transparenz, dadurch ausgelöst viele offene Fragen sowie extreme Enttäuschung bei zumindest einem Teil der Fans. 6 Spiele gab man auch auf den Rängen alles, versuchte das Team zu pushen, gemeinsam in die nächste Runde einzuziehen und die Reise durch Europa möglichst lange fort zu setzen. Nun steht man da, hat keine Ahnung was hinter der Verlegung wirklich steckt, hat aber wohl die Gewissheit, dass man sich in einem Wettbewerb befindet, der noch weit entfernt von wirklich professionellen Strukturen ist. Kein Wunder, dass die Hallen zum Großteil nicht zufriedenstellend besucht sind. Zweiter werden reicht ja wenn man die eigene Halle geschickt belegt.

Gävle hat bereits vor 2 Monaten der CHL gemeldet, dass am 31.10. die Halle nicht verfügbar ist.

Ich bin der Meinung wir Fans haben das Recht die Beantwortung folgender Fragen zu fordern!

Wieso gibt die CHL die Info der Hallenbelegung erst einen Tag vor der Auslosung an die anderen Clubs weiter? Zu diesem Zeitpunkt wurden in Mannheim bereits Tickets für den 07.11. verkauft.

Wieso heißt es erst, die Arena sei am 30.10. sowie 31.10. belegt, ein Spiel am 01.11. ist jedoch später doch nicht machbar?

Welche Veranstaltung findet in Gävle statt? Am 28.10. findet eine Kinderveranstaltung statt, nächstes Event am 4.11. das Heimspiel von Brynäs gegen Mora IK. Was man als Außenstehender nicht weis ist, inwiefern die Arena für nicht öffentliche Veranstaltungen gebucht ist.

Wieso vermeldet die CHL vor der Auslosung, dass das Hinspiel am 31.10. oder 01.11. ausgetragen wird, am 01.11. jedoch kein einziges Hinspiel ausgetragen wird? Wollte man hier mit dem Heimrecht Tausch bei der Begegnung Gävle-Mannheim eine Ausnahme vermeiden?

Am 02.11. spielt Brynäs bereits wieder in der Liga bei Linköping. Zufall oder Absicht, dass vermieden wird, dass zwischen CHL Spiel und Liga keine 24 Stunden liegen?

Fragen, deren Beantwortung alternativlos ist!

Belegte Hallen sind im Eishockey nicht ausgeschlossen, kennt man seit Jahren aus den DEL Play Offs. Diese Begleiterscheinung der modernen Multifunktionsarenen muss man akzeptieren. Was man jedoch nicht akzeptieren muss und sollte ist die Kommunikation. Durch ein solches Vorgehen wird eine langfristige Etablierung des Wettbewerbs bei den Fans sehr schwer.

Nur Transparenz kann die Wertigkeit des Wettbewerbs unterstreichen. Nur so kann Vertrauen bei den Fans zurückgewonnen werden. Nun ist es Aufgabe der CHL und/oder der Adler Mannheim für diese Transparenz zu sorgen!

Aller Verletzungssorgen und Spielverlegungen zum Trotz, unsere Reise ist noch lange nicht beendet! Daher kann es nur eine Option geben:
Am 31.10. ALLE ins Stadion. Machen wir die Arena an diesem Tag zu einem Hexenkessel, von dem die Schweden auch 7 Tage später noch dröhnende Ohren haben!

Auf der Suche nach meinem Verein

Nächtelang diskutierte man schon darüber, hunderte von Seiten in Foren wurden die letzten Jahre damit gefüllt – und doch sitze ich nun komplett desillusioniert in meinem Wohnzimmer und stelle mir mal wieder die Frage, wo ist mein Sport, wo ist mein Verein, wann haben wir uns verloren?

Dass sich viel verändert hat seit Eröffnung der Arena, das wissen wir alle. Einiges wurde besser, einiges schlechter. Und das Letzte, was das hier werden soll, ist ein Text alla „früher war alles besser“. Doch was sich heute (mal wieder) in Mannheim abspielte, war für mich zumindest, ein neuer, trauriger Höhepunkt.

Beginnen möchte ich mit meinen Gedanken 24 Stunden vor dem Spiel gegen Straubing. Es war Samstag Mittag, ein Friseurtermin in der Stadt stand an. Ich war etwas zu früh dran, also entschloss ich mich, noch kurz im City Store vorbei zu schauen. Während ich meine Cola trank kamen zwei Kunden rein, welche Sitzplatztickets für das Spiel am morgigen Sonntag gegen Straubing kaufen wollten. Klar, nichts ungewöhnliches, dachte ich mir. Als ich jedoch hörte, dass der Oberrang bereits ausverkauft ist, war ich überrascht. Positiv überrascht. Klar, die Karten kosteten nur nen Zehner. Dennoch. Enttäuschte der bisherige Zuschauerzuspruch diese Saison doch etwas, hoffte ich auf eine endlich mal wieder volle, stimmungsvolle Arena.

Nachdem nun für Eishockeyfans ungewöhnlich lange 14 Tage kein Spiel mehr war machte ich mich tatsächlich mit Vorfreude auf das Spiel sonntags gegen 11.30 Uhr auf den Weg zu den Jungs an den Maimarkt – unserem Treffpunkt vor jedem Heimspiel.

„Tatsächlich mit Vorfreude“. Hier liegt ein erstes Problem des Mannheimer Eishockeys im Jahre 2016. Ich wundere mich selbst darüber, dass ich mich freue, nun ins Stadion zu gehen. Sollte das nicht immer so sein, dass man sich aufs Spiel freut? Ich finde schon, früher zumindest war das so.

Gegen 12.15 Uhr machte man sich gemeinsam auf den Weg zur Arena. Zwischen den Eingängen A und B erblickte man ein buntes Treiben. THW, Feuerwehr, Rotes Kreuz, Mannschaftsbus. Für die Kleinen war jede Menge geboten. Mich persönlich sprach das jetzt nicht so an, aber das ist auch vollkommen ok, für mich war es ja nicht gedacht. Den Kleinen hat es sicher Spaß gemacht, daher wurde der Zweck vollstens erfüllt.

Im Stadion angekommen noch schnell die Fahrt nach Iserlohn am Fanstand bezahlt und ab in den Block. 13.50 Uhr, die Handys werden gezückt. Luftballons gilt es mit der Handykamera zu beleuchten. Nun gut, wers braucht. Optischer Effekt hin oder her, diese Art von Fanaktion ist so gar nicht mein Geschmack. Moderner Schnick Schnack. Einfach nur blau-weiß-rote Luftballons reichen wohl nicht mehr, immer mehr, immer was Neues, das Event muss passen. Der Spuk war zum Glück recht schnell vorbei, das Spiel konnte losgehen. Voller Motivation wurden von mir die ersten Lieder mitgesungen, der Start war ausbaufähig. Es folgte recht früh im Spiel die Aufforderung an den Sitzplatz „steht auf, wenn ihr Adler seid“. Das Bild, das sich mir nun bot, will mir immer noch nicht begreiflich sein. 90 Prozent blieben Sitzen. Früher undenkbar, heute ein erster, trauriger Höhepunkt. Wie sich später herausstelle, ein Vorgeschmack auf das restliche Spiel.

Ich will es kurz machen. Bis auf die Szenen im zweiten Drittel, als es kurzzeitig ansatzweise etwas zur Sache ging auf dem Eis, erlebte die SAP Arena an diesem Mittag einen traurigen Negativhöhepunkt was die Stimmung angeht. Es war tot im weiten Rund, nichts, 0. Woran liegt das, was ist aus Mannheim geworden? Wo ist die Stimme der selbsternannten Eishockeystadt?

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